hamburgtheater

...............Kritiken für Hamburg seit 2000

Bolero

Bolero

„Bernarda Albas Haus“, ein abendfüllendes Theaterstück von Garcia Lorca, als halbstündiges Tanztheater, das kaum Fragen offen ließ – wie das geht, zeigte das Ballet Teatro Espanol de Rafael Aguilar. Der begnadete Choreograph bewies mit seiner Sprache wie beredt Tanz sein kann. Er erzählt die Geschichte um eine trauernde Witwe und die ihr mit eingeschlossenen fünf Töchter in dramatischer Eindeutigkeit. Der Flamenco erwies sich als perfekte Ausdrucksform für die strenge, strikt katholische Mutter und ihre sich gegenseitig disziplinierenden Töchter. Genauso konnte er aber die Sinnlichkeit, die Sehnsüchte und den Schmerz der jüngsten Töchter zum Ausdruck bringen, die für ihre Ausbruchsversuche teuer bezahlen muss.
Das zweite Stück des Abends übersetze die Musik von Maurice Ravel „Bolero“ in die ihm angemessene Tanzsprache. Ganz leise beginnt es mit einer Gruppe Frauen, in roten Kleidern auf Hockern sitzend, die äquivalent zu den hüpfenden Geigenbogen ihren Fächern auf ihre Handflächen schlagen. Ihnen gegenüber steht ein einzelner Tänzer mit nacktem Oberkörper. Sinnlich ist sein Ausdruck im Kontrast zu den strickt synchron auftretenden Frauen. Doch im Laufe des Stückes zeiht der Sog des Musikstückes auch die Tänzer in ihren Bann. Immer schneller werden ihre Bewegungen, immer mehr wird ihre Bewegungen zu einem Zusammenspiel. Eine perfekte Übersetzung der Musik in den Tanz ist Aguilar mit dieser Choreographie gelungen.
Nach der Pause widmete sich das Gastspiel in der Staatsoper den etwas volkstümlicheren und traditionelleren Aspekten des Flamencos. Einzeltänzer stehen nun mit dem sie anfeuernden Ensemble im Mittelpunkt der folgenden Querschnitt durch die verschiedenen Musikstile des Flamencos. Die Live Musiker agieren mit ihnen auf der Bühne. Die mitreißenden Darbietungen der heißblütigen Tänzerinnen und Tänzer rissen das Premierenpublikum immer wieder zu Zwischenapplaus hin. Am Ende des Abends erklatschten sie sich mit stehenden Ovationen zwei Zugaben, bis sie die Künstler endlich von der Bühne entließen.
Birgit Schmalmack vom 16.8.07

hamburgtheater - Kritiken für Hamburg seit 2000