Sinn
Sinn
Lieben mit allen Sinnen
Die Liebe mit allen fünf Sinnen genießen und erfahren – für viele ein Traum, für andere eine wissenschaftliche und für weitere eine dichterische Herausforderung. Anja Hilling hat sich zu diesem Zweck in jeder ihrer fünf kleinen Theaterstücke einem der fünf Sinne gewidmet.
Im ersten (Auge) verliebt sich Phoebe in den blinden DJ Fred. Empfindet sie zunächst eine Beziehung zu einem Blinden als Verschwendung ihrer Attraktivität, so fasziniert sie dann gerade die Neugier auf diese unbekannte Form der Liebe.
Eigentlich hatte es Phoebe ja auf Tommi abgesehen, doch der ist verliebt in die lungenkranke Jasmin. Die wiederum trifft sich (in „Nase“) lieber mit Tommis Freund Karl in der mit Mehl verstaubten und mit Backdüften geschwängerten Luft einer Backstube. Tommi schneidet Karl aus Eifersucht mit dem Backmesser die Kehle durch. Doch Jasmin vergnügt sich derweil schon anders: Ihr hat es die renitente Jule („Haut“) angetan, die sich die Arme aufritzt. Jule begegnete nach ihrem Selbstmordversuch in der Klinik der autistischen Natascha. Ihr gelang die Kontaktaufnahme nicht, dafür aber dem Schulstreber Albert. Natascha, der alle Gespräche Angst einjagen, ist in der Lage („Ohren“) auf die leisen Zwischengeräusche zu hören. Phoebes Freundin Beate lässt sich auf einen jungen Mann aus Cap Verden ein, weil dieser sie (in „Zunge“) so eindrucksvoll umkochen und mit Köstlichkeiten füttern kann.
Fünf Regiestudenten haben den Fünfteiler in Szene gesetzt. Der Text ist so stark, witzig, tiefsinnig und poetisch, dass sie dafür nicht mehr brauchen als die nackten Wände der Garage im Thalia in der Gaußstraße, einen Tisch und einen Stuhl. Die jungen Schauspieler, zwei pro Szene, tragen mit der Präsenz und Intensität ihres Spiels entscheidend dazu bei, dass dieser Abend über die Sinne der Liebe Spaß macht, berührt und über die zweieinhalb Stunden gefangen nimmt.
Birgit Schmalmack vom 17.6.08
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