Recht auf Recht
Recht auf Recht
Hat der Mensch ein Recht darauf, nicht nur dass ihm Gerechtigkeit widerfährt sondern dass er sogar Recht bekommt? Arthur Winslow und seine Tochter Chaterine sind entschieden dieser Meinung. Dafür sind sie bereit zu kämpfen und Opfer zu bringen. Der 14jährige Sohn und Bruder Ronnie ist Schüler auf einer Kadettenschule. Er wird eines Diebstahl verdächtigt und der Marineschule verwiesen. Sein Vater engagiert den besten Anwalt ganz Englands, um seinem unschuldigen Jungen von dem Vorwurf rein zu waschen. Seine streitbare Tochter Kate unterstützt ihn dabei bis zum Äußersten. Die Familie muss Opfer für die Halsstarrigkeit, wie die nachgiebigere Mutter es nennt, bringen: Der ältere Sohn darf sein Studium nicht beenden, weil das Geld für den Prozess benötigt wird. Der Vater ruiniert seine eh schon angeschlagene Gesundheit. Die Tochter verliert ihren Verlobten, da dessen Familie sich nun nicht mehr mit dem Nahmen Winslow, der durch die ganze Presse gegangen ist, belasten will. Sind all diese Opfer der Kampf um ein Stück Gerechtigkeit wert?
Um diese spannende Frage dreht sich das Stück von Terence Rattigans, das im Jahre 1909 in London spielt. Volker Lechtenbrink hat es im Ernst Deutsch Theater ganz traditionell in Szene gesetzt. Da diese Frage nie an Aktualität verliert, überlässt er dem Zuschauer Parallelen zu heute anzustellen. Die Kulisse zeigt die Eingangshalle eines viktorianischen Londoner Altbauhauses. Die Kostüme lassen ebenfalls in diese Zeit zurück versetzen. Die Zuschauer freuen sich über eine gelungene Umsetzung des spannenden Falles ohne jede künstliche Überhöhung. Hier widmet sich ein Regisseur einmal ganz der werktreuen Umsetzung eines Stückes. Die Schauspieler machen ihre Sache gut. Besonders Jeanette Arndt als Catherine und Wilfried Dziallas als Arthur spielen differenziert und mit Herzblut. Der zwölfjährige Anton Römer als Ronnie erweist sich als Glücksgriff.
Birgit Schmalmack vom 1.4.08
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