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O tell Oh

O tell Oh!
Der neue Trend
Die Groupies kreischen, wenn Mr. O auftritt. Er ist der umjubelte Star der angesagten Band mit den groovigen Songs. Sie treten in weißen Overalls auf - bei Mr. O auch mal gerne mit so weit geöffnetem Reißverschluss, so dass die Brusthaare zu sehen sind. Das Bandmitglied Jago lässt dagegen lieber die Muskeln spielen; sein Overall ist dekorativ um die Hüfte drapiert. Als Mr. O sich in die Backgroundsängerin Mona verguckt und ihr ein Solo gibt, ist Jagos Eifersucht und Neid angestachelt. Er sieht seine jahrelange Männerfreundschaft mit Othello in Gefahr.

Inken Rahardts und Susann Oberackers Fassung verlegt die Handlung von Shakespeares Othello in eine Boy-Group. Othello als Leadsänger, Jago als ein eifersüchtiger Bandmitglied aus der zweiten Reihe und Desdemona als Solosängerin: so lassen sich auch in dieser Elektr’opera die Musiksounds nach bewährtem Erfolgsmuster seiner Vorgänger mischen. Das „Ave Maria“ kommt ungewohnt rockig daher, während die Bandauftritte, in denen Mr. O und Mona ein zartes Duett zu Gitarrenklängen unplugged hinlegen, für sich die Groupies gewöhnungsbedürftig anhören.
Tolle Hauptdarsteller, sinniger Einsatz der Laiendarsteller der Lohbrügger Schule als jugendliche Kommentatoren, geschicktes Arrangement der Musikstücke – unter der Regie von Jana Jeworreck wird aus Oh, tell O.! ein Abend im Opernloft, der die Handlung und die Musik ganz dicht an die Jugendlichen heranrückte.
Birgit Schmalmack vom 25.5.11

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