My life
My life
Anke van Engelshoven oder Elizabeth Williams
Jenny Adler
Michelle Sargent (Sängerin)
Martin Frenette
Justine Méthé-Crozat & Philippe Renaud
Mein Leben ist die Bühne
Sechs junge Leute stürmen die Bühne, die mitten im Zuschauerraum platziert ist. So ist ihre Energie ist von jedem Publikumsplatz aus hautnah zu spüren. „My life“ ist unter der Regie von Randy Glynn keine Varieteshow der üblichen Art geworden. Hier kommen die Künstler nicht im Glitzerkostümchen herein. Sie tragen sportliche Trainingskleidung, die auch auf Berlins Straßen täglich zu sehen ist. Doch wenn diese Sechs sich und ihr Leben in dieser Show vorstellen, dann weiß man: Diese jungen Leute sind etwas Besonderes. Sie haben an sich und ihren Talenten so lange gearbeitet, bis diese zu Perfektion gereift sind. Wenn sie in dieser Show von ihrem Leben erzählen, geschieht dies meist durch das praktische Tun. Denn für sie bedeutet ihr Leben, auf der Bühne zu stehen: „Our life is on stage“, bekennen sie im Laufe des Abends.
Sie legen eine Show auf die Hebe- und Drehbühne im Chamäleon in den Hackeschen Höfen hin, die jeden mitreißt und den Atem nimmt. Auf der klein bemessenen Bühne im Zuschauerrund muss jede Bewegung sitzen, sonst ist der Absturz gewiss.
Ob nun am Trapez, an den Seilen, in Ketten am Tuch oder in einem Metallreifen tanzend, stets sind die überragende Körperbeherrschung und der künstlerische Ausdruck der Akrobaten beeindruckend. Obwohl jeder von ihnen in Einzeldarbietungen seine eigene Nummer zeigt, macht den Charme dieser Show auch aus, dass das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe jederzeit spürbar bleibt. Sie lassen erkennen, dass nur durch die gegenseitige Unterstützung dieses beeindruckende Gesamterlebnis möglich geworden ist. Zwischen den einzelnen Showteilen legen die Sechs immer wieder in perfekt choreographierten Gruppentanzszenen (Choreografie: Shannon Cooney) einen Beweis ihres hervorragenden Zusammenspiels ab.
Eins der vielen Highlights des Abends war die Hand auf Hand Akrobatik von Justine Méthé-Crozat & Philippe Renaud, die in atemberaubender Präzision ein ausdrucksstarkes Duett hinlegten. Auch hier blieb es wie in allen anderen Beiträgen nie bei der reinen Akrobatik, sondern die künstlerische Aussage nahm ebenso viel Raum ein. Das Thema ihrer Arbeit war geschickt gewählt: Sie spielten ein Paar, das zwar nicht miteinander aber auch nicht ohne einander sein kann. Ein gutes Szenario für viele abrupte Begegnungen und schnelle Trennungen, das von den Beiden mit rasanten Sprüngen, Abwicklungen auf und Handständen hoch über dem Körper des Partners umgesetzt wurde.
Für die mitwirkende Jenny Adler ist diese Show: „...die Chance, meine eigene Persönlichkeit zu 100% auf die Bühne zu bringen – kein Spiel, nur die Wahrheit.“ Diese Ehrlichkeit ist es, die diese Show zu einem besonderen Erlebnis macht, das nicht nur durch die beeindruckenden Leistungen fasziniert sondern auch durch die ungekünstelte, persönliche Atmosphäre überzeugt.
Birgit Schmalmack vom 5.8.08
hamburgtheater - Kritiken für Hamburg seit 2000