Männer
Männer
Acht Gute Freunde
Männer sind eigentlich auch nur Menschen. Selbst als Fußballfan auf der Tribüne entblättern sie ihre ganz gefühlvollen empfindsamen Seiten. Spielen sie auch gerne nach außen hin den harten Kerl, den so leicht nichts umwerfen kann, so zeigt Wittenbrink in seiner musikalischen Studie des starken Geschlechts endlich einmal auch ihre schwachen Seiten.
Gerade nach der Weltmeisterschaft erweist sich Wittenbrinks fulminanter Einstieg als treffender Kommentar zu den Spielen: Nur mit den Silben „Badabada“ gelingt den acht Mannen eine alles erschöpfende Beschreibung des Geschehens auf dem Spielfeld. Stefan Schad will schon erschöpft nach Spielende seine Thermoskanne und sein klappbares HSV-Sitzkissen wieder in seine Aktentasche einpacken und nach Hause gehen. Neu im Kreis der Fußballfreunde weiß er noch nicht, dass jetzt erst der wichtigere Teil des Abends beginnt. Jetzt rückt man zusammen und verwindet gemeinsam das traurige 0:0. In dieser melancholischen Stimmung kommen die Geständnisse leichter über die Lippen. Der wohlbeleibte Jörg Ostendorf dreht sein Käppi um, wird zum kleinen Bubi und verrät: „Ich war sechzehn und sie war einunddreißig. Und es war Sommer..“ Gustav Peter Wöhler hat auch schon Krisen hinter sich, doch er weiß: „Ich überleb!“
Für Bier ist auf der Thalia-Bühne gesorgt; die Zapfhähne sind Bestandteil des Bühnenbildes und die Pissoirs gleich nebenan. Auch an feste Nahrung wurde gedacht: Der Würstchenautomat steht parat. Als der letzte leer ausgeht, grinsen die anderen: „You can’t always get what you want.“
Stephan Schad hat sein Coming Out mit „So wie ein Tiger“. Danach sitzen alle gemütlich wie die Großstadt-Cowboys um ein kleines Feuer, dass sie kurzerhand in einer abgerissenen Sitzschale angerichtet haben. So schön kann Fußball sein, wenn das Spiel zur Nebensache wird und die Männer – mal ganz unten sich - Gefühle zeigen dürfen. Zu den Mitspielern (Josef Ostendorf, Jean-Pierre Cornu, Wolf Bachofner, Bernd Grawert, Gustav Peter Wöhler), die schon im zur Premiere im Schauspielhaus begeisterten, kamen drei neue: Benjamin Höppner, Thomas Mehlhorn und der stimmgewaltige Stephan Schad aus dem Thalia-Ensemble. Begeisterter Applaus des Publikums, das sich immer weitere Zugaben erklaschte.
Birgit Schmalmack vom 18.7.06
hamburgtheater - Kritiken für Hamburg seit 2000