Kiezstürmer
Kiezstürmer
Boris Vian
Die Liebe und die Musik von Duke Ellington
Das einzige, was im Leben zählt, ist die Liebe und die Musik von Duke Ellington. Dieser Überzeugung ist Colin. Kurze Zeit später hat er Gelegenheit die erste Hälfte dieses Lebensmottos in die Tat umzusetzen. Er lernt die süße Chloé bei seinem Freund kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Eine kurze unbeschwerte Zeit beginnt. Doch allzu schnell wird ihr Glück jäh unterbrochen: Chloé ist krank. Sie hustet und fiebert ständig. In ihrem Brustkorb wächst eine Seerose, diagnostiziert der Arzt. Seine Therapie sieht Kälte und viel Blumen in ihrer Umgebung vor. Obwohl Boris alle seine Ersparnisse für ein Blumenmeer ausgibt, verschlechtert sich der Zustand seiner Geliebten.
Die tragische Liebesgeschichte nach dem Roman „Der Schaum der Tage“ von Boris Vian hat Alexander Riemenschneider, Absolvent der „Theaterakademie“ bei den Kiezstürmern im St. Pauli Theater, mit viel Sinn für humorvolle Ironie umgesetzt. Ein bestimmendes Element seiner Inszenierung ist die Musik. Immer wieder stellen sich die fünf Darsteller um eins der Mikros und stimmen eine vielstimmige Melodie aus der Jazzrepertoire an. Oder es schnappt sich einer von ihnen eines und scattet drauflos. Ein Aufnahmengerät vervielfältigt die Töne und erzeugt einen Klangteppich, der die rührselige Geschichte auf humorvolle Art unterlegt. Immer wieder bricht Riemenschneider das Geschehen, lässt eine Szene abrupt enden und in eine nächste verschneiden. So nimmt er auf unverkrampfte Weise eine beobachtende, kommentierende Haltung an, die das sehr junge Publikum im St. Pauli Theater zu mitternächtlicher Stunde zu begeistertem Applaus veranlasste.
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