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Jackie

Jackie – ein Prinzessinnendrama
Ein Märchen war das Leben der Jackie Kennedy nicht, eher ein Drama. So nähert sich Elfirede Jelinek in einem ihrer Prinzessinnendramen der Frist Lady an.
„Ich bin mein Kleid. Nie konnte ich etwas an mich heranlassen, nicht einmal den Stoff meiner Kleider.“ Stattdessen trug sie kurze Hängerchen, die sie zur Kindfrau machten. Keine betonte, keine betonierte Taille. Perfekt inszeniert für die Massen, die die Kennedys sehen wollten. Die in den Kennedys etwas sehen wollten, was sie selbst nicht werden konnten und eben doch sich selbst wieder erkennen wollten. Am Ziel der Wünsche ihrer Eltern, sie reich zu verheiraten, wird sie die jüngste First Lady. Sie, die nie ein Abziehbild sein wollte, verschwand hinter ihrer eigenen Inszenierung, die sich eigentlich zu ihrem eigenen Schutz erkoren hatte. Doch das Schicksal machte sie zu gut bekannt mit dem Tod. Bei fünf Schwangerschaften überlebten nur zwei Kinder. Ihr Ehemann wurde neben ihr erschossen. Ihr Schwager Robert ebenfalls, kurz bevor er zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden sollte. Jackie, die über mehr Bildung verfügte als ihre Schwägerinnen, konzentrierte auf die ihr zugestandenen Gebiete: Dekoration, Kleidung, Aussehen, Kinder. Selbst die zahllosen Affären ihres Mannes musste sie mit antrainiertem einbetoniertem Lächeln hinnehmen. Keine Schwäche zeigen.
Doch Katharina Matz zeigt auch sie. Mit einem perfekt hingeschminkten Strahlelächeln lässt sie an einigen Stellen des Monologs auch die Verletzungen durchschimmern. Statt Scheinwerfern erleuchten sie Diafotos. Sie zeigen jedoch keine Fotos sondern leere fleckige Diarahmen. Die Bilder im Kopf, die alle Zuschauer von Jackie im Kopf haben, können so unbeeinflusst ablaufen.
Birgit Schmalmack vom 14.9.09

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