hamburgtheater

...............Kritiken für Hamburg seit 2000

Die leere schwarze Bühne

Die leere schwarze Bühne. Ein Lichtstrahl an hinteren Bühnenrand. Eine Frau fegt mit dem Rücken zu den Zuschauern mit langsamen stockenden Schritten Papierfetzen zusammen. Eine weitere Frau kauert sich auf den Fußboden und schrubbt Löffel lustlos und mühsam sauber. Zwei Frauen im Arbeitslager Mechelen. Sie waren einst in Brüssel Teil einer im Untergrund arbeitenden Widerstandsgruppe gegen die Nazis, bevor sie verhaftet und in das Lager gebracht wurden. Die Deportation nach Auschwitz steht kurz bevor. Doch für diese beiden Frauen wird das Unmögliche wahr: Drei junge Männer der Brüsseler Untergrundgruppe überfallen den Zug und Hunderte von Juden können dem sicheren Tod entkommen.
Stille Rebellen erzählt nach den Recherchen von Marion Schreiber von dem wahren Vorfall in Belgien. Das Schauspiel von Andreas Lübbers widmet sich jedoch nicht nur den dramatischen Geschehen des Überfalls sondern nimmt sich die Zeit die Vorgeschichte der jungen engagierten Leute um den Künstler und Idealisten Marcel ab 1940 aufzublättern. Ihre Ideologien schwingenden Reden müssen im Verlauf der Entwicklungen zu Taten werden. Dieser Prozess braucht seine Zeit. Er vollzieht sich nicht nur bei der Gruppe der Theosophischen Gesellschaft sondern z.B. auch bei dem Militärgouverneur, der nach der Besetzung Belgien durch die Nazis in Brüssel eingesetzt wird. Er vertritt im Gegensatz zu dem Nazischergen das alexandrinische Grundsätze: Die Besetzten müssen von den Besatzern überzeugt werden, damit die Besetzung ein Erfolg werden soll. Asche setzt auf andere bewährte Methoden: gezielte Anwerbung von Spitzeln und Verrätern und die lückenlose Erfassung der jüdischen Abstammung.
In Stille Rebellen wird das perfide bis in letzte Detail durchgeplante System der Nazis gegen die persönliche individuelle Menschlichkeit der Belgier gestellt. Dieser Kontrast kennzeichnet das Verhalten der Deutschen einmal mehr als unmenschlich und bararisch. Er zeigt dass Widerstand der kleinen Leute durchaus möglich war. Hatte durchaus Längen, war in der zweiten Hälfte besonders stark. Durch das Hinnhemne der großen Bühne eröffnete sich die Regisseurin Konstanze Ullmer einen zusätzlichen künstlerischen Zugang, der auf den Gerüsten der kleinen Seitenbühne nicht gegeben war. Eine Straffung im ersten Teil und Beschränkung auf die kliene Seitenbühne verengte sehr die darstelleischen Möglichkeiten.

hamburgtheater - Kritiken für Hamburg seit 2000