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Der Unterhändler

"Der Unterhändler"
Dezente Symbolik
Das kleine Land Lu ist bedroht. Der Meister schickt einen Unterhändler zur Rettung los. Er wählt Zi-Gong aus. Der gewitzte Stratege ist ein geschickter Kommunikator und zugleich ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er entwickelt seinen eigenen risikoreichen Plan: Er zettelt zwischen dem Feind und einem weiteren gleich starken Gegner einen Krieg an, um Lu aus der Schusslinie zu bringen. Zum Schluss versinkt die Welt in einem Krieg, doch Lu ist gerettet. Nun fragt er sich: Wäre das im Sinne des Meisters gewesen?
Er harrt, als er von diesen Vorkommnissen berichtet, immer noch an dem Grab des Konfizius aus.
Regisseur Lin Zhaohua zeigt mit seinem Theatre Studio aus Peking modernes Theater, das im Gedenken an historische Ereignisse Parallelen zu heutigen politischen Intrigen andeutet. Die dialoglastige Erzählstruktur des Stückes wird durch sprechende Bewegungschoreographien der Gruppenszenen untermalt. Diese lassen die Bedrohungen des Krieges nachfüllbar werden.
Wallende, innovative Gewänder im Stile Issey Miyakes charakterisieren die Personen. So ist der Meister wie eine Artischocke von Stoffstücken umgeben. Der eine König zeigt seine Goldstücke, nur wenn er seinen voluminösen Mantel aufschlägt. Der andere König präsentiert seinen wohl gefüllten Bauch unter dem weit auffallenden Kragen seiner Robe. Zu dem Epos liefert die eigens für dieses Stück komponierte Musik auf einem traditionellen Blasinstrument live den Soundtrack. Das Publikum im Thalia Theater, unter das sich auch Teile der chinesischen Community Hamburgs gemischt hatten, war von dem bildgewaltigen, symbolträchtigen Gastspiel begeistert.
Birgit Schmalmack vom 30.1.11

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