Der Geizige-berlin
Der Geizige
Wer Geld hat, hat die Macht
Was bin ich ohne mein Geld: Ein Nichts, ein Niemand, ein schwarzes Harpagon-Loch, erkennt der Hausherr (Michael Schwager) schlagartig. Seine heiß geliebte, gut gefüllte Geldkassette ist weg und dieses Verschwinden hat seine Erkenntnisschärfe sprunghaft in die Höhe getrieben. Weinend wie ein Kleinkind bricht er zusammen, weil er mit seinem Geld auch sein Selbstbewusstsein verloren hat. Seine Chancen haben sich damit auf dem Heiratsmarkt erledigt, aber die seiner Kinder gegenproportional erhöht.
Sein Sohn Cléante (Andreas Köhler) hatte sich in seiner Not zum Handeln entschlossen. Als sein Vater die Frechheit besaß, ihm seine schöne Auserwählte Mariane als neue Stiefmutter zu präsentieren, zielte er gekonnt auf die verwundbare Stelle seines Vaters: Er entwendete unter Mitwirkung des Hausdieners die bewusste Geldkassette und schlug so zwei bzw. sogar drei Fliegen mit einer Klappe: Er sicherte sich das nötige Geld, um die Geliebte zu freien, er verschaffte seiner Schwester Elise (Ina Gercke), die ihrerseits ein Auge auf den Verwalter Valère (Vlad Chiriac) geworfen hatte, eine Mitgift und er schaltete die Alleinverfügungsgewalt seines Vaters aus. Ohne sein Geld zerplatzte dessen aufgeblasene Macht wie ein angestochener Luftballon.
Das Hoftheater Hexenkessel bringt Molières Geschichte auf den Punkt. Nicht nur die Schminke ist grotesk übertrieben, sondern auch die Charaktere sind auf wenige Aspekte fokussiert. So wird die Message klar: Nur wer Geld hat, hat die Macht. Aber auch: Wer nur Geld hat, ist nichts als heiße Luft.
Neben diesen moralischen Botschaften kam der Spaß auch an einem leicht vernieselten Sommerabend auf dem Schiff MS Marie nie zu kurz. Die Schauspieler sind Könner der schweren Kunst der leichten Muse. Präzise hielten sie unter der Regie von Jan Zimmermann die Balance zwischen Klamauk und Unterhaltung.
Birgit Schmalmack vom 12.8.08
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