Bier für Frauen
Bier für Frauen
Unter der Frischhaltefolie
Die drei jungen Frauen unter dem Frischhaltefolienzelt leben wie unter einer Glasglocke. Sie schwanken zwischen einem herzhaften „Wir sind okay“ und „Lasst uns gemeinsam alles falsch mach, aber so richtig falsch!“. Ständig das Gefühl habend sich selbst zu spielen, aber nie zu wissen, wer dieses „Ich“ denn eigentlich ist und dennoch immer auf der Suche nach ihm sein zu müssen, macht sie passiv. Getriebene von ihrem eigenen Anspruch an ein nicht sich einstellendes Glück, das es aber dennoch unbedingt zu erreichen gilt. Zu viele Filme hat man schon gesehen, so dass die eigene Glückerwartung den Hollywoodansprüchen zu genügen habe. So bleibt die Sehnsucht, „diese blöde Sehnsucht“, in deren Licht alles Erfahrene wie ein Nichts wirkt.
Diese Frauen sind sich ihrer Rolle nicht mehr sicher. Sie sollen so vieles sein: weiblich, verführerisch, ehrgeizig, anspruchsvoll und selbstbewusst. Dennoch stehen sie immer wie trainierte Weibchen an der Rampe, sobald der Song „Amore“ ertönt. In Rot und Blau ist dann ihr Folienzelt getaucht und die Frauen warten sehnsuchtsvoll auf die große Liebe.
Oft durchzieht ein „Du weißt schon, der, der Schauspieler, mir fällt gerade der Name nicht ein...“ ihre Dialoge. Gedächtnislücken unwichtiger Details verstellen oft den Blick auf das Wesentliche. Gerne lassen sie sich jederzeit von lästigen Grundsatzfragen ablenken.
Tolle Schauspielerinnen (Alexandra Mitdank, Lena Stamm, Sandra Lühr) und eine spritzige Regie (Tim Egloff) macht aus dem Befindlichkeitstext, der keine Rollen oder Geschichten bietet, eine spannende, witzige, selbstironische Inszenierung.
Birgit Schmalmack vom 24.7.09
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