Benefits of critics
Benefits of critics
Was macht die alteuropäische Seele aus? Das fragen sich die neuen Kulturmanager des Scheichs Kren und Schindanger. Sie sollen sein nagelneues Kulturzentrum in Abu Dhabi mit den Kulturgütern Europas füllen, mit denen der Diktator die neue Zentrale seines Volkes liebevoll ausschmücken will. Die Beiden, ein erfolgreicher Intendant und ein umworbener Regisseur aus Deutschland, stehen vor der Aufgabe, der aus dem Boden gestampften Kunststadt Kultur zu verleihen. Sie sollen sie regional verwurzeln, die arabischen Traditionen einbinden und dennoch den Geist des Westens spürbar werden lassen. Sie kommen, umgeben von Marmor, Gold und Reichtum, zu der Erkenntnis, dass Kunst und Kultur in Europa nicht ohne den Geist der Kritik zu denken sind. Dass ein Alleinherrscher jedoch kaum Gefallen an der Revolution der Massen haben dürfte, wird ihnen ebenso schnell klar. So versuchen sie dem Scheich die notwendige Revolution in Form einer Kunstperformance schmackhaft zu machen, die im Schnelldurchlauf die nötigen Voraussetzungen für die Einpflanzung der europäischen Kultur sorgt ohne von tatsächlichen Aufständen beeinträchtigt zu werden. Der Scheich ist beruhigt und widmet sich begeistert dem neuen kulturellen Trend.
Kevin Rittberger hat im Kulturhaus 73 ein Stück über Kultur, revolutionären Geist, Agitation und Vermarktung derselben gemacht. Nirgendwo könnte es besser hinpassen als gerade auf die Schanze, das Szeneviertel der Revolte, das die Punks, Außenseiter, Aufmüpfigen und kritischen Geister zum Kult erklärt hat, mit dem sich mittlerweile prima Geld verdienen lässt.
Schauspielerisch tragen die beiden Hauptdarsteller Felix Kramer und Ronald Zerfeld mit ihrem ernstnehmenden Spiel den Abend. Die weiteren Rollen sind ohne klar ersichtlichen Grund mit einem Hang zur Übertreibung angelegt. Als die Fragen des Stücks richtig interessant werden, ist es leider zu Ende. Anlass genug, um die Antworten auf der Piazza gegenüber der Roten Flora unter den schicken Szenegängern des beginnenden Wochenendes zu klären.
Birgit Schmalmack vom 25.6.07
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