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Nadia war Kriegsberichterstatterin. In Sarajewo und im Irak war sie. In Dünnhäutern – ungepanzerten Wagen – unterwegs, immer dem Tode nahe. Nachts lenkte man sich mit Affären und Alkohol ab. Doch die letzte dieser Beziehungen führte ihr vor Augen, dass der ständige Adrenalinkick die tieferen Gefühle für anderen Menschen abtöten kann. Sie kehrte in die USA zurück und wurde zur Terrorexpertin an der Universität Yale und zur Freundin des soliden Engländers Philipp. Bei ihm versucht sie nun die Ruhe und Geborgenheit zu finden, die ihr fehlte. Ihr Glück scheint perfekt, bis er sie seinem Vater in England vorstellt. Nadia findet Gefallen an dem streitlustigen, bärbeißigen Arzt, mit dem sie sich wortgewandte Rededuelle liefern kann, in denen ihre Kontroverse bezüglich des Irakkrieges genauso ausgefochten wird wie ihre Auffassung von Sexualität, Beziehung und Liebe. Doch Philips Verhältnis zu seinem Vater ist seit frühester Kindheit ein zwiegespaltenes. Einerseits gibt er ihm die alleinige Schuld an dem Unglück seiner Mutter und andererseits wünscht er sich nicht sehnlicher als seine Anerkennung. So wird der Familienbesuch zu einem Lakmustest für seine Beziehung zu Nadia.
Als intensives, konzentriertes Kammerspiel hat Ulrike Maack den Text von David Hare auf der Kammerspielbühne inszeniert. Die drei Hauptdarsteller sind exzellent besetzt. Marion Mitterhammer spielt die hochintelligente, redegewandte und kraftvolle Yaledozentin mit charmanter Verve. Peter Striebeck glaubt man sowohl den Kauz wie den Charmeur. Markus Bluhm ist überzeugend als treu sorgender Freund und Mann aus der zweite Reihe, der sich noch immer nicht aus dem Schatten seines übermächtigens Vaters gelöst hat.
Birgit Schmalmack vom 1.10.08

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