Sie sind hier: Archiv
Zurück zu: Startseite
Weiter zu:
Theater + Stücke
Stücke A-Z
Allgemein:
Venus im Pelz, Theater Das Zimmer
How Goes The World, Thalia
Trifles und American dream, Audimax
As you want it, UP, Motte
Arme Arme Reiche Reiche, Lichthof
Jungle Book, reimagined, Thalia
Niemandes Schwester, Thalia
Akins Traum, Thalia
Underground Girls, Thalia
Blind runner, Thalia
Die Wanze, Thalia
Die Trauer des Dämons, Thalia
Stand by me
Leben in der Warteschleife
Das Leben findet nur in einer Vorstufe des Todes statt. Im Wartezimmer des Lebens sitzen zwei Männer und zwei Frauen und sitzen ihre Lebenszeit ab. Ihre Wartezeit vertreiben sie sich mit dem Austausch von vermeintlichen Gesprächsinhalten. Das Hin- und Hergeplänkel von Worthülsen täuschen Kommunikation vor, wo nur Selbstbespiegelung und Selbstvergewisserung sind. Pseudo-akademisch aufgebläht werden Fremdwörterschleifen gegen Illustriertenweisheiten gesetzt. Männersprüche treten vermeintlich intellektuelles Soziologengeschwätz an. Eine esoterische Workshop-Sprüche-Suppe wird gekontert von Wortspielgequirlltem. Todernst ist es den Vier dabei, kein Wunder bei ihrem Leben im Stand-by, das doch nur die große Sehnsucht nach einem „Stand by me!“ ausdrückt und ihre gelichzeitige Unfähigkeit dazu.
Lena Biresch hat nach „Format C“ ihr zweites Stück in der Fleetstreet auf die Bühne gebraucht. Diesmal in eigener Regie. In hautfarbenen Trikot-, Baumwoll- und Strickallerei gehüllt wird das blasse Menschsein auf der zum Wartesaal umfunktionierten Bühne gezeigt. Roboterhaft schichten die Vier zwischen den sechs Einzelszenen die zwölf schwarzen Stühle nach einem von außen vorgegebenen Plan immer wieder um. Biresch erweist sich mit diesem Stück als virtuose Sprachkünstlerin. Das macht es vielleicht weniger eingängig als das mitreißende „Format C“, fordert aber noch mehr zum Nachdenken heraus.
Birgit Schmalmack vom 15.5.10
Gehe zu: Happiness Posing Projekt