Sie sind hier: Archiv
Zurück zu: Startseite
Weiter zu:
Theater + Stücke
Stücke A-Z
Allgemein:
Venus im Pelz, Theater Das Zimmer
How Goes The World, Thalia
Trifles und American dream, Audimax
As you want it, UP, Motte
Arme Arme Reiche Reiche, Lichthof
Jungle Book, reimagined, Thalia
Niemandes Schwester, Thalia
Akins Traum, Thalia
Underground Girls, Thalia
Blind runner, Thalia
Die Wanze, Thalia
Die Trauer des Dämons, Thalia
Mit Kopf und Herz
www.hamburgtheater.de
Verhandlungen zwischen Embryo und Mutter
Im Tierreich sei es doch so: Zuerst bauen die Eltern für ihren Nachwuchs ein Nest und dann sorgten sie treu und brav für ihre Kinder. So doziert die junge Frau, während sie in Unterwäsche zwischen den Waschtrögen auf der Bühne hindurch läuft.
In ihrem Fall sei das aber völlig anders. Erstens hat sich der Erzeuger des Kindes bereits davongemacht und zweitens könne sie als Mutter mit dem werdenden Leben gar nichts anfangen. Sie ist wild entschlossen, den Wurm in ihrem Bauch zu beseitigen. Sie schlägt auf es ein, sticht mit Stricknadeln in sich hinein, bis das Blut an ihren Beinen herunter läuft. Trotz seines zarten Alters schweigt der Kleine dazu nicht. Er hat seinen Überlebenskampf bereits aufgenommen. Wortgewandt sorgt er dafür, dass seiner Mutter zeitweise die Argumente ausgehen. Wenn sie wieder zugestochen hat und zwischen dem Blut ein kleines Stückchen Fleisch findet, horcht sie. Ist er noch da? Schweigt er, wird sie unruhig. Rede doch mit mir, bittet sie dann und vertagt weitere Vernichtungsaktionen auf morgen.
In der Inszenierung des Achternbusch Textes des Mainfranken Theater Würzburg wird die Bühne zur Spielfeld der jungen Frau um Leben und Tod. Maria Vogt ist eine wunderbare Vollblutschauspielerin, die die verschiedenen Aspekte dieser Frau zeigt. Sie balanciert sicher zwischen Ernst, Verzweiflung, Mut, Hoffnung und Heiterkeit. Gleichzeitig schafft sie es, das kleine Wesen in ihrem Bauch mitzuspielen. Sie zeigt die kindliche Lebensfreude, die Lust am Schabernack, die todesmutige Verzweiflung, die Scham, die Wut und Lebensfreude der Beiden. Eine wahnsinnig tolle Umsetzung des Textes, die einen würdigen, glanzvollen Abschluss eines überaus gelungenen Festivals bildete.
Birgit Schmalmack vom 22.7.08
Gehe zu: Nomade Don Giovanni