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Venus im Pelz, Theater Das Zimmer
How Goes The World, Thalia
Trifles und American dream, Audimax
As you want it, UP, Motte
Arme Arme Reiche Reiche, Lichthof
Jungle Book, reimagined, Thalia
Niemandes Schwester, Thalia
Akins Traum, Thalia
Underground Girls, Thalia
Blind runner, Thalia
Die Wanze, Thalia
Die Trauer des Dämons, Thalia
Format C
www.hamburgtheater.de
Zielstiftung auf hohem Niveau
Die Party ist in vollem Gange. Mit „Wohlstand!“ werden immer wieder neue Flaschen aneinander gestoßen. Jede Menge Sprüche und sonstiger Lebensweisheiten gibt es bei jeder sich ergebender Kommunikationsgelegenheit gratis dazu gereicht. Ein ausreichendes Maß an Lässigkeit und Selbstsicherheit gehört schließlich dazu, um der gewünschten Anwerbung neuer Sexualpartner zum Erfolg zu verhelfen. Caspar (Tim Eberts) muss leider feststellen, dass er an diesem Abend nicht auf der Geschmackswelle der beiden Schönen Trixi (Judith Guntermann) und Pixie (Ruth Weyand) liegt. Sein Gerede von einem ganz normalen spießigen Lebensglück, das Leidenschaft ohne Leiden will, kommt nicht an. Die Blender-Sprüche des redegewandten Bruno (Ralf Wegner), der keinem schnellen Vergnügen auf seinem Weg zur Ergründung der tieferen Schichten der Erkenntnis abgeneigt ist, schon eher.
Das Aufwachen am nächsten Morgen ist bitter: Caspar findet sich selbst mit rasenden Kopfschmerzen und zu seinem Erstaunen nicht nur Bruno sondern auch die beiden Damen in seiner Wohnung vor. Diese konfrontieren ihn in seinem ledierten Zustand mit ihren Lebenswahrheiten: Nur das volle unbedingte Leben im Hier und Jetzt kann dem Leben einen Sinn geben. Die von Caspar anvisierte Kompromisslösung wird von ihnen gnadenlos aussortiert. Sollte die beschriebene, verführerisch klingende Erfahrungswelt tatsächlich eine Alternative sein?
Bis er merkt, dass er sich damit auf ein Leben ohne Auffangnetz eingelassen hat, werden noch viele Wortgefechte zwischen den Vieren ausgetragen. Autorin und Regisseurin Lena Biresch hat einen ganz eigenen, innovativen Schreibstil, der sich sowohl aus Redewendungen, Umgangs-, aber auch poetischer Kunstsprache und philosophischen Theorien speist. Sie schafft es, gekonnt den Zeitgeist aufzugreifen, Thesen wortgewandt zu entwickeln und dennoch den Humor bei der gebührenden Tiefgründigkeit des Themas nicht zu kurz kommen zu lassen. In einer prall gefüllten Stunde hat sie mit ihrem tollen Team das Thema Lebenssinn kurzweilig und spannend auf die Bühne der Fleetstreet gebracht.
Birgit Schmalmack vom 23.5.09