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Die Trauer des Dämons, Thalia
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Oper trifft Szene trifft Trash
Die Kunqu-Oper zur Aufführung zu bringen ist ein zeit- und energieaufwändiges Projekt. 24 Stunden dauert eine Gesamtaufführung und die Darsteller benötigen ein fünfjähriges Training, bis sie bühnenreif sind. Kein Wunder wenn auch im heutigen China der Wunsch danach lauter wird, dieses Werk auf kommerziell nutzbare Zeiteinheiten zu stutzen. Doch als das legendäre Kunqu-Ensemble zu einer Kreativitätsmesse eingeladen und gebeten wird, die Oper auf jeweils fünf Minuten zwischen den Abendessengängen zu kürzen, hat die Kulturvergessenheit ihren vorzeitigen Höhepunkt erreicht.
Es gibt noch weitere Enttäuschungen. Auch im Kulturhaus 73 können die Schauspieler scheinbar nur einen einzigen Zuschauer ausmachen, der gewillt ist sich den Strapazen der Aufführung zu unterziehen. Zum Schluss wird auch dieser verschwunden sein. Das ist natürlich nur ein weiterer Gag vom Fake-geübten Regisseur Kevin Rittberger. Auf der Schanze kann er sich über tatsächlichen Zuschauermangel nicht beklagen. Zusammen mit den drei Schauspielern des Schauspielhauses lässt er all seine Kreativität sprudeln um die Kunqu-Oper auf moderne Zeiten zu trimmen. Das schönes Fräulein Du (Julia Nachtmann) wird hier zu einem Dreifachmädchen, das in gleich dreifacher Hinsicht den Männern gegen Bezahlung zum Vergnügen werden soll. Sie singt, tanzt und schläft mit ihnen. Der Richter der Unterwelt ist ein Psychiater (Felix Kramer), der den Sinn und Unsinn erörtert die Psychoanalyse in China einzuführen - in einem Land das kein Ich kennt, damit auch mit dem Über-Ich kaum etwas anfangen können wird. Der dritte Protagonist, der junge Gelehrte und Geliebte Dus, ist bei Rittberger ein Kanadier, dessen Spekulationsblase gerade zerplatzt. Die stilisierten Formen der Kunqu Oper werden mit den drei hervorragenden Schauspielern so mit prallem Leben gefüllt, dass sie dem szenigen Ort der Aufführung absolut gerecht werden. Hier wo sich jeder ein wenig in Szene zu setzen versucht, kamen die extravaganten Kostüme, die live gesampelte Musik vom DJ-Pult und die artifizielle und trashige Darstellung bestens zur Geltung.
Birgit Schmalmack vom 16.2.09
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