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As you want it, UP, Motte
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Jungle Book, reimagined, Thalia
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Akins Traum, Thalia
Underground Girls, Thalia
Blind runner, Thalia
Die Wanze, Thalia
Die Trauer des Dämons, Thalia
Bulger
Aus Kindersicht
Die Zuschauer kriechen durch eine niedrige Klappe auf die Bühne. Sie nehmen auf kleinen Sitzkissen Platz. Auf der Bühne steht ein riesengroßer Küchentisch. Auch die Steckdosen sind überdimensioniert. Einfühlung in Kindersicht ist hier also gefragt. Denn die Protagonisten sind drei elf- und zwölfjährige Kinder. Zwei Mädchen, Justine (Hanna Eichel)und Shalin, und ein Junge, Rasmus, stehen im Mittelpunkt von „Bulger“ im Maxim Gorki Studio. Sie sind auf der Suche nach einem Gegenüber. Ihre Eltern fallen aus verschiedensten Gründen aus. Rasmus lebt bei seinen Großeltern, für die er eigentlich nur eine Last ist. Justine hat zwar Eltern, die sich zu kümmern versuchen, aber ihre Tochter in keiner Weise verstehen. Und Shalin ist von zu Hause abgehauen. Sie ist fasziniert vom Tod. Sie fantasiert über die verschiedensten Tötungsarten von Tieren und besucht gerne mal ein Leichenschauhaus.
Jeder der drei will den anderen gerne beweisen, wie mutig und cool er ist. Jeden Tag wird ihr labiles Dreiergespann erneut auf eine Probe gestellt. Mal bilden die zwei Mädchen eine Gemeinschaft, mal machen Justine und Rasmus Front gegen die „verrückte“ Shalin. Doch letztlich geraten sie in einen Strudel der Ereignisse, der eine Notgemeinschaft aus ihnen macht: Sie nehmen in einem Einkaufszentrum ein Kleinkind seiner Mutter weg und verstecken es auf einem einsamen Gelände bei den Bahngleisen. Später wird es tot auf den Gleisen gefunden.
Regisseurin Nora hat sich weniger für die Rekonstruktion des tatsächlich in Liverpool geschehenen Falles interessiert als vielmehr für die Persönlichkeiten und Lebensgeschichten der drei Kinder. Mit den drei jungen Schauspielern zeigt sie drei verletzte, sehnsüchtige, bedürftige Kinder, die etwas spüren wollen. „Mit einem Kind kann man alles machen, die vergessen schnell wieder“, meint Justine. Genau ist schließlich mit ihnen selbst verfahren worden. Das Stück will nicht erklären, aber zeigt viel. Die Schauspieler verstehen es hervorragend in die Kinderpsychen blicken zu lassen, ohne aufgesetzt kindhaft zu spielen.
Birgit Schmalmack vom 6.4.09
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