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Bauen nach Katastrophen

Bauen nach Katastrophen
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Katastrophen nachgebaut
Auf dem Fernsehbildschirm ist eine Hügellandschaft zu sehen. Aus zwei von ihnen steigt Rauch auf, auf einem weiteren brennt es. Dann gerät einer der Hügel ins Rutschen und das rote Innere ergießt sich auf das Tal.
Das Publikum auf den Bildschirmen wird in der P1 auf Kampnagel scheinbar Zeuge des Vulkanausbruchs. Während es aber nur ein bestimmter Bildausschnitt per Kamera aufgenommen und präsentiert bekommt, kann es gleichzeitig das Making-Of verfolgen. Fünf Kinder manipulieren mit den Performance-Künstlerinnen Sybille Müller und Eva Meyer-Keller auf dem Bühnenboden die auf einem Tablett angerichtete Teiglandschaft mit Hilfe von Feuerzeugen und Öl- und Wasserzugaben so, dass sich die erwünschte Wirkung ergibt.
Müller, Meyer-Keller und ihr sauber arbeitendes Kinderteam führen insgesamt neun Versuchsanordnungen vor. Sie zeigen z.B. die Auswirkungen eines Tornados, eines Deichbruches, einer Überschwemmung, großer Dürre und eines Großfeuers. Das geschieht in großer Stille und emsiger Konzentration. Das Team zieht von einer Station zur nächster, hockt sich daneben auf dem Boden, trifft die letzten Vorbereitungen und gibt dem Toningenieur ein Zeichen zur Bildübertragung, wenn alles eingerichtet ist.
Nach der Mitte der Modellvorführungen, die nach den Ideen der Kinder entwickelt wurden, machen sie die Katastrophen auch hörbar. In bester Hörspieltechnik zaubern sie mit Folie, Erbsen, Wasserkocher, Tüchern und Schleifpapier vor den Mikros Gewitter, Sturm, Flut und Dauerregen.
Das Künstlerteam verzichtet darauf, die beiden Elemente zusammen zu führen. Erklärende Texte waren nur als angeklebte Skizzen an den Wänden zu lesen. Die Kinder erzählten interessierten Zuschauern erst nach der Aufführung bereitwillig über ihre Versuche. So ging viel von ihrem eigenen Zugang zu dem Thema verloren, der aber gerade die Frage beantwortet hätte, warum hier ausgerechnet Kinder die punktgenaue, lautlose Durchführung übernehmen sollten.
Birgit Schmalmack vom 24.8.08

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