Don Giovanni.Letzte Party

Zur Kritik von

Abendblatt 
Neue Presse 
 

Don Giovanni. Letzte Party



Alles für die Freiheit

Alle werden zu Don Giovannis Verführungsmasse. Sie singen seine Lieder, sie übernehmen seinen Ton, sie geben ihm ihren Atem, sie führen ihn zum Höhepunkt, sie feiern mit ihm, sie stellen ihm ihre Frauen zur Verfügung. Leider nur hundert, denn mehr passen nicht mit auf die Bühne. Hundert Frauen lädt Don Giovanni zu sich ein. Die Männer sollen sich keine Sorgen machen. Alles für einen guten Zweck. Er liebe die Frauen schließlich über alles. Sein Diener Leporello (Mirco Kreibich) ist fassungslos und empört. Er kann Giovannis Verhalten nur abstoßend finden. Er will aussteigen. Doch auch er kann der Versuchung nicht widerstehen. Ein paar der hundert Frauen fallen auch für den Diener ab. Erschöpft treten sie nach der Pause, in der mit dröhnenden Beats hinter der Feuerwand weiter gefeiert wurde, vor das Publikum. Erschöpft aber zufrieden.
Bei Sebastian Zimmer ist dieser Verführer nicht der Latin Lover, eher ein Toyboy norddeutscher Art. Ich versuche gerade sexy zu sein, erklärt er Leporello seinen langsamen Salsahüftschwung, mit dem er die Bühne betritt.
Der Hit dieser neuen Opern-Interpretation im Thalia-Theater ist die Frauenband, die mit Saxophon, Bass, Trompete, Schlagzeug und Piano Mozarts Arien interpretiert. Doch sie machen noch viel mehr: Sie sind mit ihren aufgetürmten Rokokko-Simpsonfrisuren und Petticoatminis Teil der Inszenierung. Die Kostüme sind sowieso eine Show. Die in die Höhe getürmten Perücken machen mit den überdimensionierten geblümten Barockkleidern und -anzügen aus Mozarts Oper einen Comic. Sie überzeichnen die Figuren sinnig und hintergründig witzig.
Ob Donna Anna (Maja Schöne), Donna Elvira (Catherine Seifert) oder Donna Zelina (Gabriela Maria Schmiede) sie alle sind dem Verführer verfallen. Obwohl sie wissen, dass er sie betrügt, wollen sie seinen Schwüren so gerne glauben und sind jederzeit wieder bereit ihm zu verzeihen. Wer Don Juan einmal gespürt hat, mag sich nie wieder mit weniger zufrieden geben. Er ist ein Frauenversteher, einer der weiß, was diese Frauen hören und fühlen wollen. Diese Erwartungen bedient er gnadenlos, aber aus reiner Liebe zu den Frauen und zur Freiheit. So lässt er sich auf seine letzte Liebe ein: die mit der Teufelin (Karin Neuhäuser). Moral ist bei ihm eine Größe, die keine Relevanz hat, das muss sogar sein Diener einsehen.
Zusammen mit seinem musikalischen Leiter Johannes Hofmann hat der junge Regisseur Antú Romero Nunes ein rasantes Poptheater erster Güte erschaffen. Das ist ein Abend, der rundum Wohlgefühl verschafft. Auch dieser Don Giovanni versteht sein Publikum einzulullen, auch wenn der Verstand sich dagegen wehren mag.
Birgit Schmalmack vom 27.1.13


(C) 2006 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken